Geschichte
1916:
- Bau des Pendelturmes durch die Landeswasserversorgung Stuttgart zum Ausgleich der Druckschwankungen in den Hauptleitungen
2010:
- Sanierung des Turmgebäudes und Umgestaltung zum Aussichtsturm durch die Gemeinde Börtlingen.
- Namensgebung nach dem ersten Ministerpräsidenten des im Jahr 1952 neugebildeten Baden-Württemberg.
- Der neugestaltete Aussichtsturm steht am Lieblings-Spazierweg des Schorndorfers Reinhold Maier *1889 †1971.
Daten:
- 25 Meter Turmhöhe
- Die Aussichtsplattform befindet sich auf einer Höhenlage von 510 Meter ü. NN.
- In unmittelbarer Nähe des Reinhold-Maier-Turmes treffen die drei Landkreise Rems-Murr, Ostalb und Göppingen zusammen.
Am Kaisersträßle Börtlingen-Breech
Die sich um das Jahr 1900 zunehmend verschärfende Wassernot in und um Stuttgart, rief die Verantwortlichen der Wasserversorgung auf den Plan. Bereits im April 1909 wurde gemeinsam mit der Stadt Stuttgart ein Gutachten für eine sichere Trinkwasserversorgung aus dem Nordschwarzwald und vom Bodensee erarbeitet. Ein dritter Vorschlag befasst sich mit einer Wassergewinnung in Donauried bei Niederstotzingen und dessen Transport durch die Täler der Brenz, des Kochers und der Rems in den Neckarraum.
Bereits Ende 1912 wurden die ersten Brunnen bei Niederstotzingen gebohrt und die ersten Rohre einer Fernwasserleitung verlegt. Als Trasse von Donauried bis nach Stuttgart wurde aufgrund der geringen Steigungs- und Gefälleverhältnisse auch der Schurwaldbereich geführt. Auf diesem Weg kam dann Mitte 1917 erstmalig eine sichere und hygienisch einwandfreie Trinkwasserversorgung auch in unsere Region.
Auf der Hauptleitungstrasse gelegen, wurde in diesem Zusammenhang die Wasseranlage in Breech mit zwei rund 10.000 cbm fassenden Wasserbehältern, einer Stromgewinnungsanlage und einem Pendelturm ausgestattet. Der rund 25 Meter hohe Pendelturm diente zum Ausgleich von Druckschwankungen in den Fernleitungen.
Im Zuge der weiteren technischen Entwicklung und Modernisierung in der Trinkwassertechnik, war die Funktion des Pendelturmes Ende der 90er Jahre nicht mehr notwendig. Die Landeswasserversorgung Stuttgart war nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Überlegungen gehalten, Anlagen die nicht unmittelbar zur Trinkwasserversorgung notwendig waren, zu veräußern oder stillzulegen. Anfang 2007 wurde deshalb bei der Gemeinde Börtlingen der Bauantrag auf Abriss des Pendelturmes gestellt.
Im Zusammenhang mit der Diskussion dieses Abbruchantrages wurde aus der Bevölkerung heraus verstärkt der Ruf nach einem Erhalt des Ortsbildes prägenden Gebäudes am Kaisersträßle laut. Immerhin war auch bereits auf einer Postkarte des Jahres 1925 der Gemeinde Börtlingen der besagte Pendelturm als Wahrzeichen abgebildet.
Der Gemeinderat befasst sich mit der Thematik und musste erkennen, dass voraussichtliche Renovierungskosten von rd. 150.000 € die finanziellen Möglichkeiten Börtlingens wohl übersteigen werden. In weiteren Verhandlungen hat die Landeswasserversorgung Stuttgart der Gemeinde Börtlingen angeboten, den Turm für 99 Jahre der Gemeinde zur Nutzung zu übergeben und gleichzeitig einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 40.000 € zu leisten.
Nachdem der Verband Region Stuttgart parallel dazu 2007 das Impulsprojekt „Regionaler Landschaftspark Schurwald“ finanziell gefördert hat, gab es unerwarteter Weise nun auch eine Fördermöglichkeit für weitere Projekte am historischen Kaisersträßle auf Gemarkung Börtlingen. Nach Wochen der intensiven Arbeitsgespräche hat die Gemeinde Börtlingen im Oktober 2007 einen Antrag auf finanzielle Förderung zur Sanierung und Umbau des Pendelturmes in einen Aussichtsturm gestellt. Die Konzeption und das damit verbundene bürgerschaftliche Engagement hat bei der Region Stuttgart überzeugt – im Frühjahr 2008 kam die erfreuliche Mitteilung, dass die Region Stuttgart den Aussichtsturm am Kaisersträßle mit einem Zuschuss von 56.000 € fördert. Damit war für die Gemeinde Börtlingen erstmalig eine solide Grundlage zur Finanzierung gegeben.
Umgehend wurde eine sorgfältige Analyse der Bausubstanz durchgeführt sowie eine Nutzungskonzeption für einen Aussichtsturm erarbeitet.
Vor einer endgültigen Entscheidung im Gemeinderatsgremium wurde eine Bürgerbefragung durchgeführt. Bei einer außerordentlich großen Mitwirkungsquote von 40 % der Haushalte votierten 98 % der Bürgerschaft für die Realisierung des Projektes. Der Gemeinderat gab angesichts dieses eindeutigen Bürgervotums grünes Licht und im Juli 2008 wurde der Bauantrag zur Umgestaltung eingereicht.
Im Februar 2009 wurde die Baugenehmigung erteilt.
Auf der Grundlage der Ausschreibung der wichtigsten Baugewerke vergab der Gemeinderat am 17.02.2009 die ersten Bauaufträge. Wesentlicher Bestandteil war dabei auch die Schaffung einer großzügigen Aussichtsplattform in 20 Meter Höhe. Damit sollte ganz bewusst der ehemalige Pendelturm in seiner Funktion als künftiger Aussichtsturm auf die Schwäbische Alb optimiert werden.
Die Mehrkosten von rund 26.000 € wurden einstimmig als wichtiger Bestandteil einer sinnvollen künftigen Nutzung angesehen.
Die Bauausführung war aufgrund der statischen Gegebenheiten sowie der technischen Anforderungen an die künftige öffentliche Nutzung nicht einfach. Engagierte und kompetente Bauhandwerker, überwiegend aus Börtlingen, Eigenleistungen des Heimatvereins Breech und der Bürgerschaft, haben ein anspruchsvolles Baukonzept in der Zeit bis April 2010 umgesetzt. Den Schlusspunkt setzten Rentner aus Börtlingen, die in ehrenamtlichem Engagement die Außenanlagen mit einem schön gestalteten Turm-Vorplatz realisiert haben.
Einer Idee aus der Bürgerschaft folgend, haben im Verlauf der Bauphase über 100 Bürger, Vereine, Institutionen und Handwerker insgesamt fast 12.000 € zum Erhalt des Turmes gespendet. Die Treppen und Podeste im Turminnern tragen künftig die Namen der einzelnen Geldgeber. Auch dies war ein wichtiger Baustein zur Realisierung des Bauprojektes. Im Oktober 2009 wurde auf Anregen von Bürgermeister Wenka, im Gemeinderat einstimmig beschlossen, den Turm künftig Reinhold-Maier-Turm zu nennen. Diese Namensgebung soll an die enge Verbundenheit Börtlingens mit dem ersten Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg erinnern. Der Aussichtsturm steht an seinem Lieblingsspazierweg – dem Kaisersträßle. In unmittelbarer Nähe des Aussichtsturms treffen die drei Landkreise Rems-Murr, Ostalb und Göppingen zusammen. Am Kaisersträßle steht nunmehr das neue Wahrzeichen Börtlingens und bringt mit seinem grün-weißen Anstrich in den Gemeindefarben eine „frische Brise“ auf den Schurwald. Von der Aussichtsplattform des Reinhold-Maier-Turmes hat man einen grandiosen Rundblick vom Rosenstein bei Heubach über die Teck bei Kirchheim.
Im Turminnern erwartet die Besucher eine Dokumentation zum Leben und Wirken von Ministerpräsident Reinhold-Maier sowie dem Aufbau einer gesicherten Trinkwasserversorgung auf dem Schurwald vor über 100 Jahren.